Logo Leibniz Universität Hannover
Institut für
Gartenbauliche Produktionssysteme
Logo Leibniz Universität Hannover
Institut für
Gartenbauliche Produktionssysteme
  • Zielgruppen
  • Suche
 

Geschichte

Seit 1905 Land- und Gartenbautechnik
an der Leibniz Universität Hannover

Christian von Zabeltitz
Hannover, 2015

Lehre und Forschung auf dem Gebiet der Landmaschinentechnik wurde schon 1905 im Bereich Maschinenbau an der TH Hannover begonnen. Vor Hannover waren nur in Bonn, Berlin und Weihenstephan landmaschinentechnische Institute oder Lehrstühle eingerichtet worden.

 

Prof. Dr.-Ing. A. Nachtweh, 1905 bis 1935

Zum 1.4. 1905 wurde der Geh. Regierungsrat Professor Dr.-Ing. Alwin Nachtweh zum „etatsm. Professor für spezielle mechanische Technologie, Maschinenzeichnen und landwirtschaftlichen Maschinenbau“ an die TH Hannover berufen. Er wurde 1868 in Lodniz bei Troppau geboren, war von 1892 bis 1896 Konstrukteur bei der Maschinenfabrik Escher Wyss & Cie in Zürich, von 1895 bis 1900 Dozent für landwirtschaftliche Maschinen am Polytechnikum in Zürich, seit 1898 Privatdozent für landw. Bauwesen, ab 1.10.1900 a.o Professor für landw. Maschinen- und Gerätekunde, Kulturtechnik und landw. Straßen- und Wegebau an der Universität Halle. Prof. Nachtweh promovierte am 30.3.1903 mit einer Arbeit „Beiträge zur Theorie und Beurteilung der Mähmaschinen“ zum Dr.-Ing. und folgte dann 1905 einem Ruf nach Hannover.

Ab 1908 war er zusätzlich Professor für allgemeine mechanische Technologie (Werkstoffkunde), las ab 1913 Metallographie und hielt vom WS 1907/08 auch Vorlesungen an der Universität Göttingen. Damit war er Begründer der Landtechnik in Göttingen. 1906 gründete er den Verband landw. Maschinenprüfungsanstalten (VLMPA) und war bis 1908 Leiter des Prüfungsamtes für landwirtschaftliche Maschinen und Geräte in Hannover. Prof. Nachtweh wurde zum 1.4.1935 emeritiert und starb am 13.3.1939 in Hannover.

Im Programm der Königlichen Technischen Hochschule Hannover für das Studienjahr 1905/06 steht über Prof. Nachtweh: „Der Herr Unterrichtsminister verlieh ihm vom 1. April ab die durch den Staatshaushalt-Etat für 1905 geschaffene Professur für spezielle mechanische Technologie, Maschinenzeichnen und landwirtschaftlichen Maschinenbau in der Abteilung für Maschinen-Ingenieurwesen.“ Im Verzeichnis der Lehrfächer der Abteilung III steht: „164. Landwirtschaftliches Maschinenwesen. Prof. Dr.-Ing. Nachtweh. Wöchentlich 4 Stunden Vorlesung im Sommer: Geräte und Maschinen zur Bodenbearbeitung, zum Düngen, Säen und Ernten. Dreschmaschinen, Strohpressen und Reinigungsmaschinen. Maschinen zur Tierhaltung. Molkereimaschinen. 165. Ausgewählte Kapitel des landwirtschaftlichen Maschinenbaus. Prof. Dr.-Ing. Nachtweh. Wöchentlich 2 Stunden im Winter. Vorausgesetzt wird die Vorlesung über Landw. Maschinenlehre.“ Außerdem werden von Prof. Nachtweh unter Nr. 161 und 162 „Fabrikationszweige der Faserstoffindustrie“ und unter Nr. 163 ein „Technologisches Praktikum zur Faserstoffindustrie“ angekündigt.

In der Festschrift zum 25-jährigen Bestehen der Deutschen Landwirtschaftsgesellschaft im Jahr 1910 „Die Entwicklung des Deutschen Landwirtschaftlichen Maschinenwesens in Deutschland“ hat A. Nachtweh die Kapitel Reinigungs- und Sortiermaschinen, Obst- und Weinbaugeräte, sowie Maschinen und Geräte des Molkereiwesens verfasst. Namhafte Landtechniker, die später in Industrie und Wissenschaft wesentliche Fortschritte der Landtechnik ermöglichten, haben bei Prof. Nachtweh gearbeitet und promoviert:
* Prof. Dr.-Ing K. Vormfelde promovierte 1908 bei Prof. Nachtweh in Hannover. Von 1919 bis 1945 leitete er das Institut für Landtechnik der Universität Bonn.
* Prof. Dr.-Ing. C.H. Dencker promovierte 1925 bei Prof. Nachtweh in Hannover mit einer Arbeit über: „Grenzen der Windkraftnutzung in der Landwirtschaft“. Ab 1932 leitete Prof. Dencker das Institut und den Lehrstuhl für Landmaschinen in Berlin Dahlem als Nachfolger von Prof. Fischer. Von 1945 bis 1967 leitete er das Institut für Landtechnik der Universität Bonn.
* Prof. Dr.-Ing. W. Knolle promovierte 1929 über „Untersuchungen an Breitdreschtrommeln“ bei A. Nachtweh, war Chefkonstrukteur und technischer Vorstand bei der Fa. Lanz, Mannheim und 1937 Ordinarius in Halle.
* Dr.-Ing. F. Ehlers studierte und promovierte 1930 in Hannover über „Beiträge zur Kenntnis der Düngerstreumaschinen“, war technisches Vorstandsmitglied bei der Firma Lanz, Mannheim, und nach dem Krieg Vorstandsmitglied bei Hanomag, Hannover.
* Dipl.-Ing. B Flerlage studierte in Hannover und war an leitender Stelle bei Continental Gummiwerke, Hanomag in Hannover, sowie verantwortlicher Leiter der Traktorentwicklung und -fertigung der Fa. Fahr in Gottmadingen.

Schüler der Professoren Vormfelde und Dencker wurden sehr bekannte Landtechniker in der Wissenschaft und in der Industrie: Prof. Dr.-Ing. W.G. Brenner war 1930/31 Assistent bei Prof. Vormfelde und hatte von 1955 bis 1967 den Lehrstuhl für Landmaschinentechnik in Weihenstephan. Prof. Dr.-Ing. G. Segler war Assistent bei Prof. Dencker, lehrte ab 1949 Landmaschinentechnik an der TH Braunschweig und leitete von 1957 bis 1987 das Institut für Agrartechnik in Stuttgart-Hohenheim. Prof. Dr. Wenner promovierte 1954 bei Dencker in Bonn und leitete von 1969 bis 1987 das Institut für Landtechnik in Weihenstephan.

Das Institut für Werkstoffkunde der Universität Hannover ist aus dem ursprünglichen Lehrstuhl für „Mechanische Technologie entstanden, den ab 1831 der Gründer der Hochschule K. Karmarsch für 44 Jahre, ab 1875 bis 1908 H. Fischer und ab 1908 bis 1935 A. Nachtweh innehatten. 1935 wurde der Lehrstuhl nach der Emeritierung von Nachtweh geteilt. A. Matting übernahm die Werkstoffkunde und P. Schweigmann vertrat den Landmaschinenbau in Vorlesungen und Übungen. Ein von P. Schweigmann gegründetes Institut für Landmaschinen wurde 1945 aufgelöst.

In der 2. Hälfte des 19. Jahrhunderts nahm mit der Industrialisierung auch die Mechanisierung in der Landwirtschaft stark zu. Viele Landmaschinenfirmen entstanden und in den verschiedenen Provinzen entstanden auch Institutionen für die Eignungsprüfung von Landmaschinen für den Einsatz in der Praxis. Diese arbeiteten aber alle nach eigenen empirischen, wissenschaftlich nicht fundierten Regeln. Es ist das große Verdienst von Prof. A. Nachtweh, die erste bedeutende und wirkungsvolle Landtechnische Organisation in Deutschland zu schaffen, indem er die deutschen Landmaschinenprüfungsanstalten zusammenführte und 1906 den Verband landwirtschaftlicher Maschinen-Prüfungsanstalten (VLMPA) gründete. In dem 1. Jahrgang der Mittelungen des Verbandes (1907) heißt es über die Gründung:„Auf eine Anregung des Professors A. Nachtweh in Hannover bei sämtlichen Geschäftsführern der deutschen landwirtschaftlichen Maschinen-Prüfungsanstalten versammelten sich am 14. Februar 1906 eine Anzahl der eingeladenen Fachmänner im Saale des Dessauer Gartens in Berlin. Der Verband landwirtschaftlicher Maschinen-Prüfungsanstalten soll möglichst sämtliche Maschinen-Prüfungsanstalten zusammenfassen. Er wird also über die Grenzen des Deutschen Reiches hinausgehen, da namentlich Österreich und die Schweiz in der Anwendung landwirtschaftlicher Maschinen ziemlich gleichartige Verhältnisse zeigen. Der neue Verband will Normen schaffen für die Untersuchung gleichartiger Maschinengruppen, um die auf verschiedenen Anstalten gefundenen Prüfungsergebnisse auch vergleichend benutzen zu können. Sollte dem neuen Verbande nur dieses eine Ziel, wenn auch nur teilweise zu erreichen gelingen, dann hätte der Verband eine sehr zweckmäßige Aufgabe erfüllt. Der neue Verband will aber auch bezwecken, dass die Prüfungsberichte mehr als bisher bekannt werden; es soll ein Austausch derselben stattfinden, bevor der Verband imstande ist, in so genannten Verbandsmitteilungen die Berichte der ihm angegliederten Anstalten und auch der anderen zu sammeln.Gerade diese letzte Tätigkeit des Verbandes hat nicht nur für die Prüfungsanstalten einen großen Wert, sondern namentlich auch für Fabrikanten und Landwirte.“

1931 schreibt A. Nachtweh anlässlich des 25-jährigen Bestehens des Verbandes in den Mitteilungen des Verbandes, Jahrgang 1931, Nr. 1: „Die Gründung und Entwicklung. Als ich im Oktober 1900 aus Zürich nach Halle a.S. an die dortige Universität berufen wurde, hatte ich, gleichsam als Abschluss meiner 5-jährigen Züricher Tätigkeit an der dortigen Polytechnischen Schule den Grundstock gelegt zur Schaffung einer Schweizerischen Prüfungsstation für landwirtschaftliche Maschinen und Geräte auf dem Strickhof bei Zürich. Der Strickhof war damals eine Art Versuchsgut, verbunden mit landwirtschaftlicher Winterschule. Es konnte also niemanden Wunder nehmen, wenn ich nach meiner Berufung nach Halle und bei meiner Tätigkeit am landwirtschaftlichen Institut der dortigen Universität mein Hauptaugenmerk dem maschinentechnischen Prüfungs- und Forschungswesen widmete. Schon in den Jahren 1886 bis 1900 nahm ich als Gast bei den Vorprüfungen neuer Geräte auf den Ausstellungen der Deutschen Landwirtschaftsgesellschaft teil und lernte die Prüfungsweisen der damaligen Richter kennen. Als ich dann mehrere Jahre den Stand des Prüfungswesens auf dem Gebiete landwirtschaftlicher Maschinentechnik zu beobachten Gelegenheit hatte, stand für mich fest, sämtliche Prüfungsanstalten dieser Art zusammenzuschließen, die Leiter dieser Anstalten zu einem Verbande zu vereinigen.“

Ende der 1920er Jahre kamen Vorschläge auf, die Aufgaben des VLMPA zu erweitern. Am 1.6.1932 wurde der VLMPA in die Max-Eyth-Gesellschaft zur Förderung der Landtechnik umbenannt und erweitert. In den Mitteilungen der Max-Eyth-Gesellschaft zur Förderung der Landtechnik, Jahrgang 1932, Nr. 4 heißt es: "Der Verband landwirtschaftlicher Maschinen-Prüfungsanstalten hat in seiner Sitzung am 1. Juni 1932 gelegentlich der DLG Ausstellung in Mannheim beschlossen, seine Satzung und seinen Namen zu ändern, um einen Zusammenschluss aller an der Landtechnik interessierten Kreise zu ermöglichen. Durch diese Erweiterung des Verbandes soll eine Stätte geschaffen werden, in welcher gleichberechtigte Mitglieder sich durch Meinungsaustausch in persönlicher Aussprache, durch Vorträge und Veröffentlichungen fördern können, während nach außen hin die gemeinsamen fachlichen Interessen frei von Erwerbs- oder eigenwirtschaftlichen Zwecken vertreten werden sollen. Entsprechend diesem Ziele eines umfassenden Zusammenschlusses sind alle Einschränkungen bezüglich der Berufszugehörigkeit der Mitglieder fallen gelassen und der Name des VLMPA ist in Max-Eyth- Gesellschaft zur Förderung der Landtechnik geändert worden. Indem die Max-Eyth-Gesellschaft die vom VLMPA übernommene Sachlichkeit und Tiefe fachlicher Arbeit auf breiterer Grundlage weiter führt, soll sie zum wissenschaftlichen Sammelpunkt der Landtechnik werden.“ Ab Mai 1935 wurde die Max-Eyth Gesellschaft im Verein Deutscher Ingenieure, VDI, mit regionalen VDI-Ausschüssen zur VDI Fachgruppe Landtechnik, Max Eyth Gesellschaft zur Förderung der Landtechnik zusammengeführt. Nach dem 2. Weltkrieg wurde die Max-Eyth-Geselschaft 1948 wieder gegründet und im Oktober 1994 nach langjährigen Diskussionen wieder im VDI vereinigt zur heutigen Max-Eyth Gesellschaft Agrartechnik im VDI, VDI-MEG.

So hat Prof. Nachtweh in Hannover die Wurzeln gelegt zu der bis heute bestehenden Vereinigung der Agrartechniker. Mit seinem unermüdlichen Einsatz für die Agrartechnik war Prof. Nachtweh eine herausragende Persönlichkeit in der Geschichte der Deutschen Agrartechnik. Seine Schüler haben die Agrartechnik weiter maßgeblich geprägt.

 

Prof. Dr.-Ing. P. Schweigmann, 1935 bis 1945, 1957 bis 1967

Nach der Emeritierung von Prof. Nachtweh im Jahre 1935 übernahm Prof. Dr.-Ing. A. Matting die Werkstoffkunde und Prof. Dr.-Ing P. Schweigmann wurde beauftragt, den Landmaschinenbau zu vertreten. Prof. Schweigmann hat 1925 bei Prof. Nachtweh promoviert, war ab 1927 Assistent an dessen Lehrstuhl und ab 1932 Privatdozent für Landwirtschaftlichen Maschinenbau. Im SS 1935 übernahm P. Schweigmann einen Lehrauftrag für Landwirtschaftliche Maschinenkunde an der Universität Göttingen und erhielt im WS 1935/36 den Lehrauftrag für Landw. Maschinenbau an der TH Hannover. Ab 1937 war er a.o Professor und ab 1939 apl. Professor. Nach 1945 arbeitete er als freiberuflicher Wissenschaftler und kehrte 1957 bis 1967 an die TH Hannover zurück. Er starb 1969. Prof. Schweigmann hat ein bedeutendes Werk „Die Landmaschinen und ihre Instandhaltung“ verfasst (Verlag Pfanneberg, Gießen, 1. Auflage 1955, 2. Auflage 1962).

 

Prof. Dr. rer. nat. H. Speiser

Prof. Dr. rer. nat. H. Speiser war von 1947 bis 1952 Ordinarius in Kiel und von 1952 bis 1962 technisches Vorstandsmitglied bei der Hanomag AG, Hannover. In dieser Zeit hat H. Speiser auch Vorlesungen über Landmaschinenbau an der TH Hannover gehalten.

 

Dr.-Ing. Chr. von Zabeltitz, Lehrauftrag seit 1968

Zum WS 1968/69 beauftragte der Niedersächsische Kultusminister Dr.-Ing. Chr. von Zabeltitz, seinerzeit als Abteilungsleiter in der Vorentwicklung der Fa. Claas tätig, als Lehrbeauftragter die Vorlesungen über Landmaschinenbau an der Fakultät für Maschinenwesen der TH Hannover wieder aufzunehmen. Seitdem wurde im WS eine Vorlesung „Konstruktion und Gestaltung von Landmaschinen“ und im SS eine Vorlesung „Verfahrenstechnik im Landmaschinenbau“ abgehalten. Da sich durchgehend Studierende des Maschinenbaus für das Wahlfach interessierten, konnte der Lehrauftrag auch nach der Berufung von Prof. von Zabeltitz 1972 an das Institut für Technik in Gartenbau und Landwirtschaft bis in die 90er Jahre aufrecht erhalten werden. In Zusammenarbeit mit der Verfahrenstechnik wurden auch Entwürfe und Diplomarbeiten angefertigt. Durch Strukturmaßnahmen an der Universität (Anrechnung von eigenen und importierten Kapazitäten an den Fachbereichen) und durch die Einführung von Modellstudienplänen gab der Fachbereich Maschinenbau die Unterstützung des Lehrauftrages dann leider auf. Nach der Emeritierung von Prof. von Zabeltitz 1997 wurde ein Antrag auf Fortführung der Vorlesungen durch Akad. Oberrat Dr.-Ing. B. von Elsner nicht genehmigt. So wurde die Lehre über den Landmaschinenbau im Bereich Maschinenbau an der Universität Hannover beendet.

 

Prof. Dipl.-Ing. W. Renard, 1949 bis 1972

Im Jahre 1948 wurde in Hannover die Hochschule für Gartenbau und Landeskultur gegründet, an der neben anderen Instituten auch das Institut für Technik in Gartenbau und Landwirtschaft neu eingerichtet wurde. 1949 wurde Prof. Dipl.-Ing. W. Renard zum o. Professor und Institutsdirektor des Institutes berufen. Die Hochschule wurde 1952 als Fakultät IV in die TH Hannover überführt.

Unter der Leitung von Prof. Renard erlangte das Institut bald einen ansehnlichen Ruf in der Wissenschaft und auch in der gärtnerischen Praxis. Durch praxisorientierte Forschungen wurde die technische Entwicklung im Gartenbau seit 1950 maßgeblich beeinflusst. Forschungsschwerpunkte des Institutes waren die Gewächshaustechnik, die Klimatisierung der Gewächshäuser, die Klimaregelung sowie die Heizung. Im Institut wurden in die Zukunft weisende Forschungsergebnisse erarbeitet. Schon Mitte der fünfziger Jahre begann man Arbeiten über den Wärmeverbrauch von Gewächshäusern, zu Maßnahmen zur Verringerung der Heizenergie durch Anordnung von Heizsystemen und durch Maßnahmen an der Gewächshaushüllfläche wie Folienunterspannung und Doppelverglasung. Schon 1959 ist das erste Gewächshaus mit Doppelverglasung gebaut und der Wärmeverbrauch gemessen worden. Schon lange vor der so genannten Energiekrise wurde der Einfluss der Heizungssysteme auf den Energieverbrauch und die damit verbundenen mögliche Energieeinsparung untersucht. Die Klimafaktoren im Gewächshaus sowie die technischen Einrichtungen zur Beeinflussung und Regelung dieser Klimafaktoren wurden erforscht. Hier sind durch die Arbeiten über die Lichtdurchlässigkeit von Gewächshäusern, über die Lüftung, Kühlung, Schattierung und Bewässerung wesentliche Grundlagen erarbeitet worden. Die Arbeiten über die Konstruktion und Statik der Gewächshäuser sowie über den Windeinfluss haben den Gewächshaubau mit geprägt und sind wesentliche Grundlage für die DIN 11536 über das Deutsche Normgewächshaus gewesen. Schon frühzeitig hat Prof. Renard die Bedeutung der Kunststoffe für den Gartenbau erkannt und hier wesentliche Beiträge geliefert. Die Vielzahl der Forschungsarbeiten fand ihren Niederschlag in zahlreichen Veröffentlichungen im In- und Ausland sowie in den von ihm betreuten 9 Dissertationen.

Professor Renard war von 1964 bis 1966 Rektor der TH Hannover. Er war auch langjährig Präsident des Kuratoriums und des Ausstellerbeirates der zentralen Technikausstellung für den Gartenbau „hortec“ in Karlsruhe.Prof. Renard wurde 1972 emeritiert, nahm aber weiterhin regen Anteil an den Arbeiten des Institutes. Er starb 1994.

 

Prof. Dr.-Ing. Chr. von Zabeltitz, 1972 bis 1997

Zum 1.10.1972 wurde Dr.-Ing. Chr. von Zabeltitz als o. Professor auf den Lehrstuhl für Technik in Gartenbau und Landwirtschaft berufen und zum Direktor des Institutes ernannt. Im Laufe der folgenden Universitätsreformen wurden Lehrstühle und Institutsdirektoren abgeschafft, es blieben Universitätsprofessoren. Professor von Zabeltitz kam aus der Landmaschinenindustrie und hatte schon seit 1968 einen Lehrauftrag für Landmaschinenbau an der Fakultät für Maschinenwesen, den er mit Vorlesungen im WS und SS nach der Berufung fortsetzte. Die Lehrveranstaltungen im Fachbereich Gartenbau wurden erweitert durch umweltschonende Produktionsverfahren und den Einsatz bioabbaubarer Werkstoffe im Gartenbau. Prof. von Zabeltitz setzte die Arbeits- und Forschungsvorhaben auf den Gebieten der Gewächshaustechnik und Klimatisierung fort. Neu aufgenommen wurden Schwerpunkte der Energieeinsparung und die Nutzung von alternativen Energiequellen für die Gewächshausheizung, Gewächshauskonstruktionen für tropische, subtropische und aride Klimagebiete sowie der Einsatz von bioabbaubaren Werkstoffen vor allem aus nachwachsenden Rohstoffen.

Die Energieverteuerung in den 70er Jahren gab Anstoß zu neuen Forschungsprojekten und Innovationen. Dazu gehörten beispielsweise Technik und Wirkung von Energieschirmen, die Nutzung der Solarenergie, die Nutzung von Niedertemperaturabwärme aus Industrieprozessen mit der erforderlichen Entwicklung neuer Heizungssysteme und der Einsatz von Wärmepumpen zur Gewächshausheizung. Auf dem Gebiet der Gewächshauskonstruktion wurden Untersuchungen an Foliengewächshäusern, Gewächshäusern mit Doppelbedachungen aus Glas und Kunststoffplatten bis hin zur Entwicklung einer neuen Gewächshauskonzeption „Climax“ in einem Gemeinschaftsprojekt mit der Gewächshausindustrie durchgeführt. Untersuchungen zur Kondensation an Gewächshausbedachungen wurden begonnen. Auf dem Gebiet der Gewächshausklimatisierung standen das Mikroklima im Pflanzenbestand , die Lüftung, die Wirkung von Energiesparmaßnahmen, der Kunstlichteinsatz sowie die Wirkungen von photoselektiven Bedachungsmaterialien auf Zierpflanzen im Vordergrund. Es wurden Simulations- und Planungsprogramme zur Optimierung der Energieversorgung in Gewächshausproduktionssystemen und zur Nutzung von Biomasse für die Energieversorgung in Gewächshäusern entwickelt.

Im Auftrag der FAO (Food and Agriculture Organization of the United Nations) hat Prof. von Zabeltitz in verschiedenen Ländern mit tropischem, subtropischem und aridem Klima kostengünstige Gewächshauskonstruktionen vorgeschlagen, die mit im Lande verfügbaren Materialien zu bauen waren. Dabei spielten die Forderungen einer möglichst ganzjährigen Produktion und vor allem die Reduzierung des Einsatzes von Pflanzenschutzmitteln durch den Einsatz technischer Mittel, beispielsweise Insektenschutznetze, eine wichtige Rolle (Integrated Production and Protection IPP). Diese Arbeiten waren auch Ausgangspunkt für die DFG Forschergruppe „Protected cultivation – an aproach to sustainable vegetable production in the humid tropics“, für die Versuchseinrichtungen am AIT in Bangkok, Thailand geplant und anschließend Forschungsarbeiten durchgeführt wurden. Auf dem Gebiet der Freilandtechnik hat Prof. von Zabeltitz Untersuchungen zum Einfluss verschiedener Verfahrenstechniken auf die Bodenbelastungen und Bodenverdichtung im Freilandgemüsebau sowie zum Einsatz von Mulchfolien aus bioabbaubaren Werkstoffen initiiert und betreut.

Buchveröffentlichungen als Autor und Herausgeber waren:
VON ZABELTITZ, C.: Gewächshäuser, Planung und Bau: Ulmer Verlag, 1. Auflage 1978, 2. Auflage 1986.
SCHÜSSELER, P.; VON ZABELTITZ, C.: Umweltgerechte Techniken in der Pflanzenproduktion. Ulmer Verlag 2004.
VON ZABELTITZ, C.: Greenhouses and shelter structures for tropical regions. Food and Agriculture Organization of the United Nations, FAO, 1999.
VON ZABELTITZ, C.: Greenhouse structures. Chapter 2 in Ecosystems of the World 20, Greenhouse Ecosystems, Elsevier Amsterdam, 1999.
VON ZABELTITZ, C.: „Agrartechnik“ in Brockhaus, Mensch, Natur, Technik. Band: Mensch, Maschinen, Mechanismen, Brockhaus Verlag 2000.
GROOT, L.; PARUSCHKE, K.; SCHÜSSELER, P.; WEBER, C.; VON ZABELTITZ, C.: Biologisch abbaubare Werkstoffe im Gartenbau. KTBL Schrift 386. KTBL Darmstadt 2000.
VON ZABELTITZ, C. (Hrsg.): Energieeinsparung und alternative Energiequellen im Gartenbau, Ulmer Verlag 1982.
VON ZABELTITZ, C. (Hrsg.): Greenhouse heating with solar Energy, FAO 1987.
VON ZABELTITZ, C. (Hrsg.): Passive solar heating of greenhouses with water filled Polyethylene tubes. Gartenbautechnische Information Nr. 30, ITG Hannover, 1989.
VON ZABELTITZ, C. (Hrsg.): Energy conservation and renewable energies for greenhouse heating, Food and Agriculture Organization of the United Nation, FAO, 1988.
Von Zabeltitz, C. (2011): Integrated greenhouse systems for mild climates. Springer Verlag Heidelberg.

Prof. von Zabeltitz betreute 25 Doktorarbeiten. 8 ehemalige Mitarbeiter des Institutes wurden auf Professorenstellen an Universitäten und Fachhochschulen berufen:
Prof. Dr. rer. hort. habil H.J Tantau, Leibniz Universität Hannover,
Prof. Dr .rer .hort. habil. J. Meyer, Tu München – Weihenstephan,
Prof. Dr. rer. hort. habil. Th Rath, Leibniz Universität Hannover,
Prof. Dr.-Ing. C. Gudehus, Fachhochschule Osnabrück,
Prof. Dr. rer .hort. H. Eggers, Fachhochschule Berlin,
Prof. Dr. rer. hort. K.H. Strauch, Fachhochschule Berlin,
Prof. Dr. rer. hort. H. Bredenbeck, Fachhochschule Erfurt,
Prof. Dr. rer. hort. J. Thomas, Fachhochschule Osnabrück.

Prof. von Zabeltitz war mehrere Jahre Präsident des Kuratoriums der Fachmesse Technik im Gartenbau „Hortec“ in Karlsruhe, Chairman der Commision Horticultural Engineering in der Internationalen Gartenbauwissenschaftlichen Gesellschaft ISHS, und bis 2004 Präsident der Gesellschaft für Kunststoffe im Landbau. Er arbeitete aktiv in Gremien des KTBL (Kuratorium für Technik und Bauwesen in der Landwirtschaft) und im Zentralverband Gartenbau mit. Ihm wurde die Ernst Schröder Medaille des Zentralverbandes Gartenbau verliehen. 8 Jahre war Prof. von Zabeltitz Wahlsenator der Universität Hannover. Seit 1984 ist er Mitglied der Braunschweigischen Wissenschaftlichen Gesellschaft. Unter seiner Leitung wurde am Institut eine selbständige Forschungsgemeinschaft bioabbaubarer Werkstoffe e.V., FBAW, gegründet. Nach der Wiedervereinigung Deutschlands war er Gründungsmitglied und später Mitglied in den wissenschaftlichen Beiräten der Institute für „Agrartechnik Potsdam Bornim“ und „Gemüse- und Zierpflanzenbau Großbeeren und Erfurt“. Prof. von Zabeltitz wurde Ende September 1997 emeritiert.

 

Univ. Prof. Dr. rer. hort. habil. H.J. Tantau, 1997 bis 2010

Seit 1997 leitete Professor Dr. rer. hort. habil. H. J. Tantau das Institut. Er promovierte1975 am Institut, habilitierte sich 1979 am Fachbereich Gartenbau und wurde 1981 auf die Stelle einer C3 Professur am Institut berufen. Nach dem Studium der Gartenbauwissenschaften in Hannover wurde er wissenschaftlicher Mitarbeiter am Institut für Technik in Gartenbau und Landwirtschaft, zunächst bei Professor Renard und ab 1972 bei Professor von Zabeltitz. Er begann seine Forschungsarbeiten über die Klimaregelung in Gewächshäusern. Durch Energieverteuerung und damit verbundenen aktuellen Problemen im Gartenbau bedingt folgten grundlegende Arbeiten zum Wärmeverbrauch in Gewächshäusern mit verschiedenen Heizungssystemen und Bedachungsmaterialien, die er 1975 in seiner Dissertation „Der Einfluss von Einfach- und Doppelbedachungen auf das Klima und den Wärmeverbrauch von Gewächshäusern“ vorlegte und veröffentlichte. Zahlreiche Veröffentlichungen geben grundlegende und praxisorientierte Forschungsergebnisse über die Klima- und Heizungstechnik in Gewächshäusern wieder. Professor Tantau führte auch seine Grundlagenuntersuchungen über die Klimaregelung in Gewächshäusern fort und habilitierte sich 1979 mit einer Arbeit über „Analyse des Regelverhaltens klimatisierter Gewächshäuser als Grundlage zur Auswahl und Entwicklung geeigneter Regler“. Diese Arbeiten führten zur Entwicklung eines neuartigen Regelcomputers, der von der Industrie übernommen, weiter entwickelt und vertrieben wurde. 1983 erschien sein Buch über „Heizungsanlagen im Gartenbau“ im Ulmer Verlag. Unter seiner Leitung wurden neue Forschungsrichtungen von Doktoranden bearbeitet, wie beispielsweise ein „Bestandsklimamodell zur Anwendung im integrierten Pflanzenschutz“ und „Methodische Ansätze zur Etablierung eines photoautotrophen In-vitro-Kulturverfahrens“.

Nach der Emeritierung von Professor von Zabeltitz 1997 übernahm Professor Tantau die Leitung des Institutes, war zwei Jahre Dekan des Fachbereichs Gartenbau und war maßgeblich an der Erarbeitung der neuen Studiengänge des Fachbereiches beteiligt. Er wurde zum Präsidenten der Gesellschaft für Kunststoffe im Landbau gewählt und übernahm den Vorsitz in der Forschungsgemeinschaft für bioabbaubare Werkstoffe, FBAW, in Hannover. Prof. Tantau wurde 2000 zum „Honorary Professor“ am Fachbereich Mechanical Engineering der Universität Gödöllö in Ungarn ernannt und damit für seine Zusammenarbeit und Lehrtätigkeit in Ungarn geehrt. Seit Beginn arbeitete er aktiv in der gemeinsamen Forschergruppe des AIT in Bangkok, der Kasethsat Universität in Bangkok und der Leibniz Universität Hannover. Hier betreute er vor allem grundlegende Arbeiten zum Einsatz von Insektenschutznetzen an Gewächshäusern für den biologischen Pflanzenschutz in den Tropen sowie zur Klimatisierung von Tropengewächshäusern. Seit 1.5.2009 koordiniert Prof. Tantau das Forschungsverbundvorhaben ZINEG (Zukunftsinitiative Niedrigenergiegewächshaus), ein systemorientierter Ansatz zur Senkung des Heizenergieaufwandes für die Beheizung von Gewächshäusern und damit verbunden einer Reduzierung der (fossilen) CO2-Emissionen. Im Rahmen dieses Verbundvorhabens betreut er das Projekt „Gewächshaus mit maximaler Wärmedämmung, Solarenergienutzung und Integrationsstrategien bei Topfpflanzen“. Die Bearbeitung dieses Projektes erfolgt in enger Kooperation mit der Lehr- und Versuchsanstalt Hannover-Ahlem der Landwirschaftskammer Hannover. Professor Tantau betreute bisher 9 Doktorarbeiten. Er wurde September 2010 in den Ruhestand verabschiedet.

 

Apl. Prof. Dr. rer. hort. habil. Th. Rath, 2010 bis 2013

Prof. Th. Rath promovierte 1992 am Institut bei Prof. Tantau mit einer Arbeit über „Einsatz wissensbasierter Systeme zur Modellierung und Darstellung von gartenbautechnischem Fachwissen am Beispiel des hybriden Expertensystems HORTEX“. Das Simulations- und Planungsprogramm wird seitdem in der gärtnerischen Praxis und in der Wissenschaft für Planungsaufgaben eingesetzt. Prof. Rath ist seit 1992 am Institut tätig und habilitierte sich 1997 mit einer Arbeit „Methoden zur computerbildanalytischen Pflanzenidentifikation am Beispiel dendrologischer Bestimmungen“. Seitdem sind neben Energiefragen zur Gewächshaustechnologie auch Bildanalyseverfahren, Biorobotics und Biophotonics Schwerpunkt der Forschungsarbeiten am Institut. 2001 wurde er zum außerplanmäßigen Professor an der Leibniz Universität Hannover ernannt. 2009 gründete Prof. Rath zusammen mit Prof. Huchzermeyer (Institut für Botanik der Leibniz Universität Hannover) die „Hanover Algae Research Group“ und erweiterte damit das Lehr- und Forschungsspektrum auf den Bereich der Pflanzenbiotechnologie.

Prof. Rath war Sprecher der Techniksektion der Deutschen Gartenbauwissenschaftlichen Gesellschaft und Leiter mehrerer KTBL-Arbeitsgemeinschaften. Von 2010 bis 2012 war er Präsident der Deutschen Gartenbauwissenschaftlichen Gesellschaft. Im Rahmen dieser Tätigkeit gründete er die Online-Zeitschrift „DGG-Proceedings“.

2009/2010 wurde unter seiner Leitung das deutsche Kompetenznetzwerk WeGa entwickelt und gegründet. Von 2010 bis Ende 2013 war er Sprecher dieses Kompetenznetzwerkes. Prof. Rath hat im September 2013 die Leibniz Universität Hannover verlassen und arbeitet nun an der Hochschule Osnabrück. Dort leitet er das von ihm gegründetete Labor für Biosystemtechnik (BLAB). 

 

Das Institut und Fachgebiet

Seit Bestehen des Institutes für Technik in Gartenbau und Landwirtschaft wurden insgesamt 252 Diplom- und Masterarbeiten, 45 Doktorarbeiten und 5 Habilitationen (Prof. Göhlich, Prof. Tantau, Prof. Meyer, Prof. Rath und Prof. Bertram) erfolgreich vorgelegt. Im Jahre 2005 wurde der Fachbereich Gartenbau zusammen mit anderen Fachbereichen der Universität zur „Naturwissenschaftlichen Fakultät“ vereinigt. Im Rahmen dieser Umstrukturierungen wurde am 12.10.2005 das Institut für Technik in Gartenbau und Landwirtschaft (ITG) zusammen mit dem Institut für Gemüsebau und dem Institut Obstbau in das „Institut für biologische Produktionssysteme“ überführt. Das ehemalige Institut ITG wurde hiermit in das eigenständige „Fachgebiet Biosystem und Gartenbautechnik (BGT)“ umgewandelt. 2013 wurde das "Institut für Gartenbauliche Produktionssysteme" gegründet, der Abteilungsname zu "Abteilung Biosystemtechnik" verkürzt.  Heute werden am BGT Lehrveranstaltungen für drei Studiengänge angeboten:

• Gartenbauwissenschaften , Bachelor of Science, Master of Science

• International Horticulture, Master of Science

• Pflanzenbiotechnologie, Bachelor of Science, Master of Science

Alle Forschungsarbeiten und Lehrveranstaltungen im Institut hätten nicht so mit Erfolg durchgeführt werden können ohne die Mitarbeit aller Angestellten von der Werkstatt über den technischen Dienst bis zum Sekretariat sowie der vielen Studierenden und Doktoranden.